UR-DOM-WISSEN – KUNSTWERK DES QUARTALS:Franziskus
Beitrag von MMag. Franz Zehetner
Der Heilige Franz von Assisi ist einer der populärsten und faszinierendsten Heiligen der Kirchengeschichte. Er ist auch im Stephansdom zumindest viermal prominent dargestellt. Der westlichste Barockaltar an der Nordseite ist ihm gewidmet, daneben ist eine lebensgroße gotische Skulptur von ihm zu sehen, und am Johannesaltar stellt eine der beiden Seitenskulpturen Franziskus dar.
Er wurde um 1181 in Assisi als Sohn eines reichen Kaufmannes geboren. Nach einer durchaus ausschweifenden Jugend änderte er sein Leben grundlegend, war aber nicht nur ein „Aussteiger“ aus der Wohlstandswelt seines Elternhauses, sondern widmete sich Armen, Kranken und zeichnete sich durch seine Liebe zur Natur aus. Sein „Sonnengesang“ war eines der ersten Gedichte in (italienischer) Volkssprache und seine Wertschätzung für Tiere ist in mehreren Episoden seiner Lebensgeschichte festgehalten. Vor allem in der „Vogelpredigt“, in der er nicht den Vögeln im eigentlichen Sinn gepredigt hat, sondern die Schönheit der Vögel gepriesen hat, worauf immer mehr Vögel furchtlos zu ihm gekommen sein und ihm ruhig zugehört haben sollen.
Ihm zu Ehren ist auch der Welttierschutztag auf seinen Feiertag, den 4. Oktober, gelegt worden. Dieser wird am Tag nach seinem Tod begangen, denn am 3. Oktober 1226, also vor 800 Jahren, ist er verstorben. Er gründete selbst zahlreiche Ordensniederlassungen, und war schon zu Lebzeiten sehr populär.
Der ab 1227 begonnene Bau und die Ausstattung seiner Begräbniskirche in Assisi förderten nachhaltig die Entwicklung der italienischen und damit auch der gesamten europäischen Malerei, da die begabtesten Maler des 13. und 14. Jahrhunderts dort arbeiteten und sich gegenseitig anregten.
Im Stephansdom ist eine sehr frühe Darstellung des Heiligen zu finden: Die Wandmalerei auf der Westempore entstand in den 1240er-Jahren, also schon ca. 20 Jahre nach seinem Tod. Die thronende Madonna wird von mehreren Heiligen umgeben, darunter der Heilige Franziskus, der in einfacher Kutte mit mehreren bunten Vögeln dargestellt wurde. Mit seiner kompromisslosen Ehrfurcht vor armen und kranken Menschen und der gesamten Schöpfung ist er auch heute noch ein faszinierendes Vorbild für ein sinnerfülltes Leben.