UR-DOM-WISSEN – KUNSTWERK DES QUARTALS: Christophorus
BEITRAG VON MMAG. FRANZ ZEHETNER
Christophorus – der „Christusträger“ gehört zu den Heiligen im Dom, die am häufigsten dargestellt wurden. Ob es wirklich einen Heiligen Christophorus gegeben hat oder ob der Riese, der das kleine Christuskind über den Fluss trägt und unter der Last immer mehr kämpfen muss, weil er das Gefühl hat, die ganze Welt tragen zu müssen, nur eine anschauliche Legende ist, ist nicht eindeutig geklärt. Er ist einer der 14 Nothelfer und Patron der Reisenden und vieler anderer Gruppen, im Mittelalter wurde er vor allem gegen einen überraschenden Tod angerufen. Seine Beliebtheit rührt nicht nur von der Verehrung der Gläubigen, sondern von der Faszination der Bildhauer: Die dynamische, athletische Gestalt in ihrem Kampf gegen den reißenden Fluss bietet einen eindrucksvollen Kontrast zu dem zierlichen Jesuskind.
Von den vier annähernd lebensgroßen Skulpturen des Christophorus im Inneren des Domes möchte ich den besonders beeindruckenden vom ersten Freipfeiler des Langhauses erwähnen.
Die Kleidung ist prächtig, er trägt Börse, Turban und hat das Gewand gerafft, um in den Fluss steigen zu können. Er stützt sich auf einen Baumstamm und ist gebeugt unter der Last des Kindes. Die Neigung des Oberkörpers und die schreitenden Beine machen die Anstrengung sichtbar.
Wenn man den Dom durch das Riesentor betritt und aus dem Eingangsbereich unter der Westempore in das hohe Schiff tritt, ist er eine der ersten Skulpturen, die man erblickt. Der Name des Künstlers, der die Figur in der Mitte des 15. Jahrhunderts geschaffen hat, ist leider nicht bekannt. Die Skulptur ist in ihrer Kraft faszinierend und in dieser heißen Jahreszeit beneiden ihn manche Betrachter, weil er seine Füße im Wasser kühlen darf.