Zum Inhalt springen

„Die Erwähnung des Berufes als Domimker ist Garant für interessante Gespräche.“

V. l. n. r. Dompfarrer Toni Faber mit Imker Dipl.-Ing. Dr. med. Gregor de Lijzer

Dipl.-Ing. Dr. Gregor de Lijzer (56) und Peter Stich (59), beide in Wien geboren und wohnhaft, verbindet neben ihrer Tätigkeit im Gesundheitswesen eine besondere Leidenschaft: die Imkerei. Seit 2022 betreuen sie gemeinsam die Bienenstöcke am Bläserchor des Stephansdoms. Peter Stich ist diplomierter Krankenpfleger und als Lehrender am Campus Leopoldstadt des Wiener Gesundheitsverbunds tätig, Dr. de Lijzer arbeitet als Anästhesist am Donauspital und hat zudem Informatik studiert. Wenn sie nicht ihrem Beruf nachgehen, widmen sich die beiden mit viel Engagement den Bienen und ihrem faszinierenden Leben.

DIE FRAGEN STELLTE MAG. BARBARA SUCHANEK.

Bienen und Kirche verbindet eine jahrhundertealte Tradition, vor allem in Klöstern. Wie kam es dazu, dass Sie mit Ihren Bienen schließlich am Stephansdom gelandet sind?

Gregor de Lijzer: Ich denke, es ist weniger die Tradition als die Besonderheit des Standortes an sich. Der Stephansdom als Zentrum Wiens ist ein ganz besonderer Ort. Die Möglichkeit, meiner Leidenschaft, der Imkerei, nachzugehen, ist als solches schon besonders.

Peter Stich: Für mich war der Dom der einzige prominente Platz, an dem ich gerne imkern würde. Vor uns gab es einen anderen Imker mit Bienen am Stephansdom. Im September 2021 habe ich mitbekommen, dass die Bienen am Dom verwaist sind. Gemeinsam mit Gregor starteten wir das Projekt „Bienen am Stephansdom“. Über Umwege sind wir mit Dombaumeister Hr. Dipl.-Ing. Zehetner in Kontakt gekommen …

Der Rest ist Geschichte. Seit 26. 8. 2022 stehen unsere Bienen am Dom.

Wie viele Bienen leben derzeit am Stephansdom – und wie muss man sich das Leben eines Bienenvolkes hier oben vorstellen?

Gregor de Lijzer: Die Anzahl der Völker variiert je nach Jahrezeit. So wie die Lippizaner so haben auch unsere Immen ein Winterquartier. Nach der Winterpause kommen bis zur zu vier Bienenvölker auf den Bläserchor. In der Hochsaison, Mai bis Juli, leben bis zu 50.000 Bienen in einem Bienenstock. Damit übertreffen wir die Anzahl der Lipizzaner bei weitem.

Peter Stich: Aktuell stehen keine Bienenvölker am Dom. Seit 2025 wandern wir mit den Bienen im April hinauf auf den Dom und im August/September hinunter „ins Tal“. Heuer hatten wir drei Völker am Dom.

Was macht die Arbeit mit den Bienen am Stephansdom für Sie besonders – gibt es etwas, das Sie an diesem ungewöhnlichen Arbeitsplatz immer wieder fasziniert?

Gregor de Lijzer: Die Arbeit mit Bienen ist im Allgemeinen eine sehr ruhige. Unruhe des Imkers wird von ihnen sofort bemerkt und entsprechend beantwortet. Und diese Ruhe ist es, welche inmitten der Geschäftstätigkeit der Wiener City seinen Reiz hat. Vom Bläserchor hinunter blickend sieht man Lieferanten, Touristen, Fiaker, … ein Schwarm oben am Chor genauso wie unten am Stephansplatz. Und eben dieser Kontrast ist das Reizvolle am Bienenstandort Stephansdom.

Peter Stich: Für mich ist es der schönste Arbeitsplatz in Wien. Jedes Mal fasziniert mich der Dachstuhl und der Ausblick vom Bläserchor. Immer wieder gehe ich nach einem Bienenbesuch gerne durch den Dom und zünde noch eine Kerze an. Weil ich diesen sakralen Raum liebe.

Mit welchen Erwartungen sind Sie in das Projekt „Dombienen“ gestartet – und was ist heute ganz anders, als Sie es sich ursprünglich vorgestellt haben?

Gregor de Lijzer: Rückblickend gesehen hatte ich wenig Erwartungen. Der Reiz einer neuen Aufgabe stand im Vordergrund. Überrascht hat mich vor allem das mediale Echo und das Interesse. Allein die Erwähnung meines Berufes als „Domimker“ ist Garant für interessante Gespräche.

Peter Stich: Ich bin mit der Erwartung gestartet, dass wir Bienen aufstellen und das ganze Jahr über oben betreuen können. Das hat leider nicht funktioniert. Der Dom hat sich als sehr her­ausfordernd für die Bienen erwiesen. Die Sonne kommt erst spät am Nachmittag zum Bläserchor, das ist für Bienen ab Herbst und im Frühling nicht ideal. Es ist schlecht für die Ein­winterung und stört im Frühjahr die Entwicklung. Auch starker Wind ist für den Bienen-Flug ab September/Oktober nicht förderlich. Einen andere sinnvolle Möglichkeit, Bienenvölker aufzustellen, haben wir am Dom nicht gefunden.

Haben Sie persönlich einen Lieblingsplatz am oder im Dom, abgesehen vom Bläserchor, wo die Bienen „zu Hause“ sind?

Gregor de Lijzer: Für mich am beeindruckendsten ist der Dachboden des Stephansdoms. Ein Haus im Haus – ein eigener Mikrokosmos, obwohl es eigentlich ob der Größe ein Makrokosmos ist. Hier ist alles. Hier ist Meister Pilgram in mehrfacher Ausführung, dunkle Ecken, alte Beichtstühle, Lager­platz für alles, was man in einem Kir­chenjahr so braucht, endlose Treppen in die Höhen des Dachstuhls und – so profan es klingt – sogar ein WC (Herren und Damen!).

Peter Stich: Die Madonna von Pötsch. Mein Vater hatte „Maria Pötsch“ sehr gerne und kannte einige Geschichten dazu. Weiters mag ich das Zeichen des Widerstandes O5 am Dom. Gerade heute beim aufkommenden weltweiten Nationalismus gewinnt es wieder an Aktualität.

Ist die Imkerei Ihr Beruf – oder gibt es neben den Bienen noch einen anderen beruflichen Alltag? Und wie sind Sie überhaupt zur Imkerei gekommen?

Gregor de Lijzer: Hauptberuflich bin ich Anästhesist in der Klinik Donaustadt. Dort bin ich als leitender Oberarzt tätig. Die Verbindung von Medizin und Imkerei ist die Apitherapie, welche ich in meiner Ordination praktiziere. Ich versuche dort, Patientinnen und Patienten mit den Erzeugnissen des Bienenstocks, hauptsächlich Bienengift, zu helfen.

Die Imkerei ist also ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens, nicht nur als Hobby, sondern ist auch Teil meines Berufes. Deswegen habe ich auch die­ses Jahr die Ausbildung zum Fachar­beiter für Bienenwirtschaft gemacht.

Peter Stich: Mein Brotberuf ist Lehrer für Gesundheits- und Krankenpflege. Ich unterrichte am Campus Leopoldstadt Pflegefachassistentinnen und Pflegefachassistenten.

Bienen sind für mich ein Hobby, eine Leidenschaft. Ich bin mit den Bienen aufgewachsen. In meiner Familie gibt es seit 1863 Bienen. Ich bin Hobby-Imker in fünfter Generation und habe von Kindheit an mit meinem Vater und meinem Großvater Zeit mit/bei den Bienen verbracht.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Dombienen – und für die Zusammenarbeit mit dem Verein „Unser Stephansdom“?

Gregor de Lijzer: Ich hoffe, dass unsere „Dombienen“ auch in Zukunft die Wertschätzung erfahren, wie sie diese in der Vergangenheit erfahren haben. Viele Menschen haben uns bei dieser Aufgabe unterstützt, ohne die das Projekt „Dombienen“ nicht möglich gewesen wäre. An alle ein großes Dankeschön!

Und zum Verein „Unser Stephansdom“: Ich kann wirklich nur jedem wünschen, mit so einem Team zusammenarbeiten zu dürfen. In den Jahren unserer Zusammenarbeit hatten „Babsi“ und ihr Team immer ein offenes Ohr für unsere Anliegen und Wünsche: Organisation von Events, Medientermine, Honigvertrieb, … einfach großartig und deshalb auch an dieser Stelle ein großes Dankeschön!

Peter Stich: Dass unsere Bienen an diesen besonderen, kulturellen, historischen und gesegneten Ort weiter Honig sammeln können und sich um die Bestäubung rund um den Dom kümmern. Danke für die gute Zusammenarbeit mit dem Verein „Unser Stephansdom“, ich wünsche mir, dass wir weiterhin so nett und produktiv miteinander zusammenarbeiten wie bisher. Danke auch an die Dom-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter für die Zusammenarbeit, der Dombauhütte, und dem Personal, welches den Pummerin-Lift betreut. Alle stehen unserer Arbeit mit Wohlwollen gegenüber. Alle geben mir das Gefühl „es sind unsere Bienen, von uns allen – die Bienen vom Dom“.

Cover Vereinszeitung NR. 155 Oktober 2026

Sie können diese Ausgabe auch direkt hier durchblättern oder herunterladen und auf Ihrem Gerät bequem lesen!

#stefflbleibfesch

Spenden und helfen

Ja, ich möchte gerne dazu beitragen, unseren Steffl für nachkommende Generationen zu erhalten.