Zum Inhalt springen

„Die Weihe der Riesenorgel beschert mir immer noch Gänsehaut.“

Zu sehen ist Kirchenmeister Mag. Tamas Steigerwald. Er trägt ein dunkles Hemd, Brille und lächelt in die Kamera. Im Hintergrund ist das Dach des Stephansdoms zu sehen.

Tamás Steigerwald, Kirchenmeister des Stephansdoms, wurde am 8. Jänner 1965 in Zrenjanin im damaligen Jugoslawien geboren. Er studierte Theologie in Ljubljana und schloss sein Studium in Wien ab. Der Vater von zwei Kindern spielt selbst gerne Orgel im Stephansdom.

(Die Fragen stellte Mag. Barbara Suchanek)

Was macht die Funktion des Kirchenmeisters am Stephansdom aus? Welche Aufgaben prägen Ihren Arbeitsalltag?

Das Amt des Kirchenmeisters zählt zu den ältesten Ämtern am Stephansplatz. Bereits 1334 wird ein Kirchenmeister in einer Stiftungsurkunde erwähnt. Aus der mittelalterlichen Bezeichnung lässt sich die Aufgabe allerdings nicht unmittelbar ableiten – anders als etwa bei den Funktionen des Dompfarrers, Domkustos oder Dombaumeisters.

Am einfachsten lässt sich meine Tätigkeit mit einem Vergleich erklären: Der Stephansdom ist wie ein Computer. Er braucht eine Hardware und eine Software. Für die „Hardware“, also das Gebäude, ist der Dombaumeister zuständig. Für die „Software“, also das Leben im Dom, der Kirchenmeister.

Kurz gesagt: Ich sorge gemeinsam mit meinem Team dafür, dass der Stephansdom als Gotteshaus lebendig bleibt und wir jährlich rund sieben Millionen Besucherinnen und Besucher willkommen heißen können.

Wie sind Sie zum Kirchenmeister von St. Stephan geworden? Können Sie uns Ihren beruflichen und persönlichen Weg kurz skizzieren?

Mein Weg zum Stephansdom begann am 20. Jänner 1992, als ich dort meinen Dienst als Mesner antrat. Geboren wurde ich im Banat, damals Teil Jugoslawiens, heute Serbien. Meine Mutter ist Ungarin, mein Vater Donauschwabe. Nach der Matura in Ljubljana begann ich dort auch mein Theologiestudium.

Aufgrund der Kriegswirren im ehemaligen Jugoslawien flohen meine Frau und ich nach Österreich. An der Universität Wien schloss ich mein Studium der Theologie ab. Von 2003 bis 2007 war ich theologischer Mitarbeiter im Militärordinariat. Nachdem mich das Domkapitel zum Kirchenmeister gewählt hatte, ernannte mich Kardinal Christoph Schönborn mit 1. November 2007 offiziell zum Kirchenmeister des Stephansdoms.

Der Stephansdom ist seit Jahrhunderten Schauplatz bedeutender Ereignisse und hochrangiger Besuche. Welche Begegnungen oder Momente sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Zwei Papstbesuche durfte ich seit 1992 erleben – von Johannes Paul II. (1998) und Papst Benedikt XVI. (2007). Besonders Papst Benedikt hat mich tief beeindruckt. Damals war ich für die liturgische Hilfe in der Kirche am Hof eingeteilt. Ich konnte den Heiligen Vater bei seinem Aufstieg auf den Balkon zur Kirche am Hof in unmittelbarer Nähe erleben. Er wirkte nett, klein, scheu, hastig und schnellen Schrittes. In diesem Moment dachte ich: Hier steht einer der größten Theologen unserer Zeit und dennoch ein zutiefst demütiger Mensch.

Der bewegendste Augenblick meiner bisherigen Tätigkeit war jedoch die Weihe der restaurierten Riesenorgel am 6. Oktober 2020. Schon bei meiner Ernennung zum Kirchenmeister hatte ich von diesem Tag geträumt. Dank der Unterstützung des Vereins „Unser Stephansdom“ konnte dieses außergewöhnliche Projekt verwirklicht werden.

Bereits in den 1990er-Jahren durfte ich auf der alten Riesenorgel eine Herz-Jesu-Messe begleiten. Als ich die neuen Klänge der restaurierten Orgel erstmals hörte, musste ich meine Freudentränen zurückhalten. Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich daran denke.

St. Stephan ist Gotteshaus, Wahrzeichen Wiens, Touristenmagnet, Veranstaltungsort und Kunststätte zugleich. Wie gelingt es Ihnen und Ihrem Team, diesen unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden?

Der Stephansdom wurde als Gotteshaus errichtet – als Ort der Begegnung zwischen Gott und den Menschen.

Ich will hier eine kleine Erzählung weitergeben: Meine Tochter war im Rahmen der „Drei Königsaktion“ in Ghana. An einem Abend zeigte sie der Familie die Bilder des Stephansdomes, die Bilder ihrer Heimatpfarre. Als der 16-jährige Sohn die Bilder sah, war er so fasziniert, dass er sagte: „Wenn man in dieser Kirche betet, fliegen die Gebete direkt zu Gott.“

Der Stephansdom ist tatsächlich ein besonderer Ort der Gottesbegegnung – sei es in Gottesdiensten, Konzerten oder anderen kulturellen Veranstaltungen.

Für meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeuten diese unterschiedlichen Nutzungen natürlich zusätzliche Herausforderungen. Sie weichen ab von den alltäglichen Tätigkeiten. Man ist sich jedoch dessen bewusst, dass all diese Formen der Begegnung einen Platz im Stephansdom haben.

Gibt es im Stephansdom einen Ort, der Ihnen persönlich besonders am Herzen liegt? Was macht ihn für Sie so besonders?

Es gibt sogar zwei Orte im Dom, an die ich mich gerne zurückziehe: die Barbarakapelle und die Valentinskapelle.

Bei rund 65 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gibt es immer wieder Situationen, in denen man Ruhe und Besinnung braucht. Besonders vor schwierigen Entscheidungen ziehe ich mich gerne in die Valentinskapelle, die Reliquienschatzkammer des Doms, zurück. Dort finde ich die notwendige Stille und Konzentration.

Was wünschen Sie sich für den Verein „Unser Stephansdom“ und seine weitere Entwicklung?

Was wäre die „Software“ ohne die „Hardware“? Ohne die Unterstützung des Vereins wären viele wichtige Projekte nicht möglich gewesen. Die Riesenorgel ist dafür das beste Beispiel. Für mich ist sie nicht nur die größte Orgel Österreichs, sondern auch die schönste der Welt.

Doch es gibt noch viele Vorhaben, bei denen der Stephansdom auf die Unterstützung des Vereins angewiesen ist – etwa die Weiterentwicklung des Domshops oder die neue Dombauhütte.

Ich wünsche dem Verein auch in Zukunft viele engagierte Mitglieder, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Spenderinnen und Spender, damit trotz gesellschaftlichen Wandels die Liebe zum Steffl erhalten bleibt.

Zu sehen ist das Cover der Vereinszeitung Nr 154.

Sie können diese Ausgabe auch direkt hier durchblättern oder herunterladen und auf Ihrem Gerät bequem lesen!

#stefflbleibfesch

Spenden und helfen

Ja, ich möchte gerne dazu beitragen, unseren Steffl für nachkommende Generationen zu erhalten.